Sie sind da, wenn die Zeit knapp wird

Sie sind da, wenn die Zeit knapp wird

 

von Melanie Hanz

Die Feuerwehr Minsen hat eine First Responder-Gruppe aufgebaut: Olaf Fianke, Vorsitzender des Vereins „Aktion gegen Herzflimmern“ (links) stattete die Wehr mit einem Defibrillator aus, Lehrrettungsassistent Fred Jacobi (vorn) bildete die Einsatzkräfte aus. Der Förderverein schaffte einen Rettungsrucksack an.
Bild: Melanie Hanz

Im nördlichen Wangerland kann es dauern, bis bei medizinischen Notfällen der Rettungswagen vor Ort ist. Die Feuerwehr Minsen ist seit Anfang Februar mit einem Rettungsteam einsatzbereit.

Minsen -   Wenn die Urlaubssaison im Wangerland begonnen hat, ist der Rettungswagen mehr unterwegs als er in der Rettungswache in Hohensminde steht. Und wenn es dann schnell gehen muss, weil im nördlichen Wangerland ein Mensch verunglückt ist, kann es eine ganze Weile dauern, bis der Rettungswagen aus Jever da ist.


Doch zur Wiederbelebung gilt ein Zeitfenster von knapp zehn Minuten – und um das zu nutzen, hat die Freiwillige Feuerwehr Minsen in den vergangenen zweieinhalb Jahren eine so genannte First Responder-Gruppe aufgebaut: 13 Kameraden wurden intensiv in Erster Hilfe ausgebildet, um die Zeit zwischen Notfall und Eintreffen des Rettungswagens qualifiziert zu überbrücken – und so Leben zu retten.

 

2,5 Jahre Ausbildung

Seit Anfang Februar ist die Gruppe ist die First Responder-Gruppe einsatzbereit und in die Alarm- und Ausrückeordnung der Leitstelle Friesland/Wilhelmshaven aufgenommen. Die Alarmierung der jeweils dreiköpfigen Erstretter-Teams liegt im Ermessen des Leitstellen-Disponenten.

„Das bedeutet, dass wir losfahren, wenn die Leitstelle uns zur Reanimation anfordert, weil gerade kein Rettungswagen verfügbar ist“, erklärt Ortsbrandmeister Norbert Freymuth. Einsatzgebiet ist das nördliche Wangerland mit Horumersiel/Schillig, Minsen und Tengshausen.

„Wir haben mit unseren weitläufigen Strandabschnitten, dem Wattenmeer und dem großen Campingplatz in Schillig mit tausenden Urlaubern ein außergewöhnliches Einsatzgebiet – und mit der First Responder-Gruppe leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit von Einheimischen und Gästen. Denn bei akutem Herzstillstand zählt jede Minute.“

Ausgebildet wurden die 13 Kameraden der neuen Gruppe von Dr. h.c. Fred Jacobi, Lehrrettungsassistent und Mitglied der Feuerwehr Waddewarden. Er kennt First Responder-Gruppen von Feuerwehren aus dem Bergischen Land – und war sofort angetan von der Idee, in Minsen ebenfalls eine solche Gruppe aufzubauen. Jacobi wird auch die laufende Fortbildung der Gruppe übernehmen. Die monatlichen Schulungen übernehmen die beiden Rettungssanitäter, die die Wehr Minsen in ihren Reihen hat.

Rund 700 Euro hat der Förderverein der Wehr Minsen in die Ausstattung mit Rettungsgerät investiert. Der Rettungsrucksack enthält neben Verbandszeug und Beatmungsmasken und -Beuteln auch einen Guedeltubus, der verhindert, dass bei der Wiederbelebung die Zunge in die Luftröhre rutscht, Blutdruck-Messgerät und Pulsmeter, Armschienen, Halskrause und – zur Sicherheit der Erstretter in geschlossenen Räumen – CO-Warner, die bei hohen Kohlenmonoxid-Konzentrationen Alarm geben.

Was noch fehlt, ist Einsatzkleidung für die First Responder: „Die schweren Feuerwehrjacken behindern bei der Wiederbelebung nur“, sagt Freymuth, zugleich Vorsitzender des Fördervereins. Auch dafür wird der Förderverein im Lauf der nächsten Zeit sorgen. Spenden dafür sind hoch willkommen.
Defibrillator an Bord

Zusätzlich ausgestattet mit einem Defibrillator wurde die Gruppe von der „Aktion gegen Herzflimmern“: Vorsitzender Olaf Fianke, zugleich stellvertretender Kreisbrandmeister, übergab das Gerät jetzt. Es wird bei Herzrhythmusstörungen bis Herzstillstand angewandt – und rettet somit Leben. „Jeder Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau sind ausgebildet in Erster Hilfe samt Wiederbelebung – der Defi erhöht die Chancen, Leben zu retten“, sagt er.

 

Den Aufbau der Minser First Responder-Gruppe lobte er als „gute Sache“. „Ich habe hohen Respekt vor Euch“, sagte Fianke. Er ermahnte das Team zudem, nach Einsätzen mit dramatischen Situationen miteinander über die Erlebnisse zu sprechen: „Arbeitet das auf, damit der Geist gesund bleibt“, sagte Fianke. Er gehe davon aus, dass die ersten Einsätze für alle aufregend sein werden.

 

Zum Erfahrungsaustausch bot er zudem an, Kontakt zur nächsten First Responder-Gruppe herzustellen: In Jade wurde 2005 die First Responder-Gruppe innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr Jaderberg aufgestellt.

 

 

19.02.2018, Nwz

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